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Existenzgründungen in Deutschland: Gute Förderinfrastruktur, aber keine Kultur der Selbständigkeit

Die öffentlichen Förderprogramme für Existenzgründungen zählen zu den Stärken des Standorts Deutschland. Bei der Bereitstellung von Eigen- und Fremdkapital durch Beteiligungsgesellschaften, Banken und Sparkassen hapere es dagegen, schreiben die Autoren des neuen "Global Entrepreneurship Monitor (GEM)".

Die Studie analysiert jährlich das Gründungsgeschehen im internationalen Vergleich. Mehr als 100.000 Bürger in 35 Ländern und rund 1300 Gründungsexperten wurden dafür befragt. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die KfW Bankengruppe und das Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Universität Hannover stellten am 5.4.2006 in Berlin den aktuellen Länderbericht Deutschland vor.

Vernichtend fällt das Urteil der befragten Experten über die Behandlung der Themen Unternehmertum und Existenzgründung in den deutschen Schulen aus. Generell sei die Kultur der Selbständigkeit hierzulande nur schwach ausgeprägt. "Bei der Wertschätzung des Unternehmertums und der Bereitschaft zur Übernahme von Risiken haben wir in Deutschland noch Nachholbedarf", sagte IAB-Vizedirektor Ulrich Walwei bei der Präsentation der Studie. Insbesondere die Bildungspolitik sei gefordert, stärker als bislang auf das Entstehen einer unternehmerischen Kultur hinzuwirken.

Im internationalen Vergleich sind die Deutschen sehr pessimistisch, was Gründungschancen anbelangt. Die Angst vor dem Scheitern halte sie relativ häufig davon ab, ein Unternehmen zu gründen, so der Wirtschaftsgeograph Rolf Sternberg von der Universität Hannover. Beim Anteil potenziell wachstumsstarker Gründungen liegt Deutschland im Mittelfeld und damit besser als bei den Gründungen insgesamt.

Ostdeutsche sind unter den potenziell wachstumsstarken Gründern überproportional vertreten, Frauen dagegen unterrepräsentiert. Bei der politischen Unterstützung potenziell wachstumsstarker Gründungen belegt Deutschland einen Platz im vorderen Drittel.

Die Gründungsquote ist in Deutschland insgesamt gestiegen - unter anderem, weil Gründungen aus ökonomischer Not weiter zugenommen haben. In Deutschland gehören vergleichsweise viele Gründer zur Gruppe der "Existenzsicherer"; staatliche Förderprogramme wie die Ich-AG und das Überbrückungsgeld haben diesen Trend verstärkt.

Sozial- und arbeitsmarktpolitisch sei dies durchaus zu rechtfertigen, so die Studie, allerdings seien gesamtwirtschaftliche Wachstumsimpulse eher von Selbstverwirklichern zu erwarten: Der klassische Unternehmertyp, der nach Unabhängigkeit strebe, eine Idee verwirklichen und dabei ein hohes Einkommen erzielen möchte, schaffe in der Regel mehr Arbeitsplätze als der aus Mangel an Alternativen zum Unternehmer gewordene Existenzsicherer.

"Aus Sicht der KfW ist nicht so sehr das Abschneiden Deutschlands hinsichtlich der generellen Gründungsintensität bedenklich, sondern vor allem die unzureichende Anzahl innovativer Gründungen, insbesondere in den wissens- und technologieintensiven Branchen", so Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe.

"Verbesserte Finanzierungs- und Beratungsangebote reichen alleine nicht aus", sagte Irsch, "mindestens genau so wichtig sind allgemeine Einstellungen wie Risikobereitschaft, Innovationsfreude und Optimismus. Der GEM-Report bestätigt leider, dass sich die Deutschen durch eine besonders hohe Risikoaversität auszeichnen."

Weitere Informationen: Der Global Entrepreneurship Monitor steht zum Download bereit unter http://doku.iab.de/presse/gem-download.pdf.

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